Für Kim Vaske wird’s in Indien ernst
Quellenangabe: Sportredakteur Marius Holthaus, Emsdettener Volkszeitung, Ausgabe 02.10.2025
- Von der LG Emsdetten zu Bayer Leverkusen und hinaus in die große Welt der internationalen Top-Ereignisse: Kim Vaske (Mitte, lange blonde Haare), der seit der Geburt der rechts Unterarm fehlt, mit der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft der Para-Leichtathleten in Neu-Delhi (Indien).
Seit Samstag ist Kim Vaske in Neu-Delhi. Dort laufen derzeit die Weltmeisterschaften der Para-Leichtathleten. Die Emsdettenerin blickt voraus auf ihren Kugelstoß-Wettkampf am Donnerstag, spricht über tropische Temperaturen vor Ort, Verkehrschaos und erschütternde Armut.
Extreme Hitze. Große Armut unter der Bevölkerung. Verkehrschaos. Kim Vaske ist in eine andere Welt eingetaucht. Gegen 1 Uhr in der Nacht zu Samstag landete ihr Flieger in Neu-Delhi. In Indiens Hauptstadt laufen derzeit die Weltmeisterschaften der Para-Leichtathleten. Vaskes große Stunde schlägt am Donnerstagvormittag. Um 10.14 Uhr Ortszeit beginnt ihr Kugelstoß-Wettkampf.
„Ich fühle mich gut. Die letzten Trainingseinheiten liefen sehr gut“, sagt sie.
Die Familie in Emsdetten fiebert mit, wird gemeinsam daheim den Livestream (siehe unten) verfolgen. „Mama, Papa, Oma …“, zählt Vaske auf. Auch viele Freundinnen wollen sich den Wecker stellen. Aufgrund der dreieinhalbstündigen Zeitverschiebung ist es in Deutschland 6.44 Uhr früh, wenn es in Indien ernst wird.
„Die Armut hat mich echt geschockt“
Den Jetlag hat die 20-Jährige gleich in der ersten Nacht vor Ort rausgeschlafen. Mehr Probleme bereitet das Klima. „35 bis 40 Grad, stickige Luft, hohe Luftfeuchtigkeit. Hier ist alles viel anstrengender“, berichtet sie. Sehr zäh gestalten sich auch die Fahrten vom Hotel zum WM-Stadion. Für die nur sechs Kilometer braucht der Bus 40 bis 60 Minuten. Die Straßen sind verstopft, an Verkehrsregeln hält sich keiner, ständiges Gehupe. Für Vaske heißt das: Kopfhörer auf, Musik an. Auf den Busfahrten kann sie die Augen aber nicht vor dem Elend der Menschen verschließen. „Es gibt hier super viel Armut. Das hat mich echt geschockt. Und wir leben in unserer heilen Welt.“
- Nach WM 2023 und Paralympics 2024 (Foto), beide in Paris, startet Kim Vaske nun im dritten Jahr in Folge bei einem internationalen Großereignis.
Die bei der WM startenden Nationen sind auf verschiedene Hotels verteilt. Die Deutschen teilen sich ihre Unterkunft mit den Mannschaften aus den Niederlanden, Kanada, Kuba und Angola. Vaske ist wieder gemeinsam mit Sprinterin Jule Roß, Freundin und Teamkollegin von Bayer Leverkusen, auf einem Zimmer. So wie schon vor einem Jahr bei den Paralympics in Paris. Damals traten sie in einer pickepackevollen Arena vor 80.000 Fans auf. Das 60.000 Zuschauer fassende Stadion in Neu-Delhi ist dagegen deutlich leerer. Ein Grund könnte die Armut in der Stadt sein, überlegt Vaske: „Die Menschen haben andere Sorgen als unsere Weltmeisterschaft.“
Erst am Montag besuchte sie selbst erstmals das WM-Stadion, um die Teamkollegen bei ihren Wettkämpfen anzufeuern. Für ständige Fahrten dorthin ist das Gewühle durch den Verkehrsdschungel hindurch aber zu groß. Zumal sie ja auch noch regelmäßig mit ähnlich großem Aufwand zum etwas außerhalb gelegenen Trainingsstadion fährt. „Da holen wir uns aber nur noch den letzten Feinschliff. Das richtige Training lief in den vergangenen acht, neun Monaten ab.“
Vaske will unter die besten Acht
Am Donnerstag ab 10.14 Uhr kommt es nun drauf an! Zwölf Kugelstoßerinnen sind am Start. Vaske will nach ihren ersten drei Versuchen unter den besten Acht liegen, dürfte dann drei weitere Male in den Ring. Und dann mal sehen, für was es reicht …
Die Heimat drückt die Daumen.
Livestream zu den WM-Wettkämpfen in Neu-Delhi: www.youtube.com/user/ParalympicSportTV

