Para-Leichtathletin vorm Abflug nach Indien
Quellenangabe: Sportredakteur Marius Holthaus, Emsdettener Volkszeitung, Ausgabe 19.09.2025
- Kim Vaske, früher LG Emsdetten, startet mittlerweile für Bayer Leverkusen. Seit der Geburt fehlt ihr der rechte Unterarm.
Nächste Woche Freitag besteigt Kim Vaske in Frankfurt den Flieger. Zielort: Neu-Delhi. In der indischen Hauptstadt beginnt am 27. September die Weltmeisterschaft der Para-Leichtathleten. Dort will die Emsdettenerin im Kugelstoßen der internationalen Elite die Stirn bieten. Und nebenbei eine Wette gewinnen.
Die endgültige Bestätigung kam im Juli per Mail: Kim Vaske ist für die WM nominiert. „Jetzt hast du es schwarz auf weiß“, freute sie sich. Eine große Überraschung war ihre Nominierung aber nicht. Bereits im Mai hatte sie in Halle an der Saale die WM-Norm (10,66 Meter) deutlich überboten, zauberte mit 10,82 Meter eine neue persönliche Bestmarke hervor. Beim letzten WM-Quali-Wettkampf am 5. Juli in Leverkusen setzte sie noch einen obendrauf: 10,99 Meter! Ärgert sich die 20-Jährige, dass die Kugel nicht noch ein Zentimeterchen weiter flog? „Ja!“, antwortet Vaske mit fester Stimme, „11 Meter sind eine Schallmauer. Außerdem habe ich eine Wette am Laufen …“ Und zwar mit Niko Kappel. Der kleinwüchsige, dreifache Para-Weltmeister und Olympiasieger von 2016 hat Vaske versprochen: Knackt sie die 11 Meter, kauft er ihr eines der Kugel-Modelle, die er selbst auch verwendet. Die kosten etwa 300 Euro. „Aber ich glaube, Niko bekommt Rabatt“, meint Vaske schmunzelnd.
Die WM wäre der perfekte Zeitpunkt, die Wette zu gewinnen. Vaskes großer Tag ist der 2. Oktober. Ihr Ziel: nach den ersten drei Stößen unter den besten Acht zu liegen. Dann dürfte sie drei weitere Male in den Ring. Bei den Paralympics 2024 in Paris gelang ihr das nicht. Dort zahlte sie auch im 100- und 200-Meter-Sprint Lehrgeld. Ähnlich war es bei der WM 2023 in Paris. Damals durfte Vaske trotz verpasster Norm als aufstrebendes Talent mitfahren. Diesmal gab es diese Hintertür nicht.
Training, Training, Training
„Die Vorfreude steigt so langsam“, blickt die Lehramtsstudentin Richtung Indien. Hinter ihr liegen anstrengende Trainingswochen. Mitte August etwa reiste sie mit ihren ebenfalls für Neu-Delhi qualifizierten Teamkollegen von Bayer Leverkusen nach Nizza, dort arbeiteten sie zehn Tage lang hart an ihrer WM-Form. Danach folgten noch zwei Wettkämpfe. Am 6. September in Monheim stieß Vaske 10,33 Meter. „Nicht schlecht“, sagt sie angesichts der Tatsache, dass es nach all dem Training schwierig war, zurück in den Wettkampfmodus zu schalten. Am 10. September in Leverkusen lief es schon etwas besser: 10,45 Meter bei schwierigen Bedingungen. Dass es an dem Tag geregnet hat, fand Vaske als Vorbereitung für Indien gar nicht übel. Denn gut möglich, dass sie es auch bei der WM mit Regen und einem rutschigen Kugelstoß-Ring zu tun bekommt.
Vaskes Nerven scheinen ebenfalls WM-reif zu sein. An dem Tag Anfang Juli, als sie die 10,99 Meter raushaute, zeigte sie sich jedenfalls abgezockt. „Ich bin erst die 100 Meter gelaufen und musste danach zur Dopingkontrolle.“ Dort dauerte alles etwas länger. Schlechte Voraussetzungen für den anschließenden Kugelstoß-Wettbewerb. „Das Aufwärmen musste ich bei der Dopingkontrolle machen.“ Doch sie lieferte ab: 10,80 Meter, 10,95 Meter, 10,60 Meter, im vierten Versuch schließlich 10,99 Meter. „Die beste Serie, die ich jemals gestoßen habe.“
In Indien soll die Kugel noch ein bisschen weiter fliegen…
