Para-Leichtathletin aus Emsdetten packt WM-Norm / Freudensprung

Quellenangabe: Marius Holthaus, Emsdettener Volkszeitung, Ausgabe 31.05.2025

Als die Kugel Kim Vaskes Hand verließ, überkam sie gleich ein mieses Gefühl: „Den Stoß habe ich versemmelt.“ Tatsächlich aber war es der Stoß, der sie zur Weltmeisterschaft nach Indien trägt.

Nächster großer Meilenstein in der Karriere von Kim Vaske. Die Emsdettenerin hat im Kugelstoßen die WM-Norm erfüllt, wird, wenn keine Verletzung oder etwas anderes Unvorhergesehenes dazwischen kommt, bei der Para-Weltmeisterschaft der Leichtathleten in Neu-Delhi (27. September bis 5. Oktober 2025) dabei sein. Nach den Paralympics 2024 in Paris erfüllt sich ein weiterer Traum.

Auch bei der WM 2023, ebenfalls in der französischen Hauptstadt, war Vaske schon dabei. Damals jedoch durfte sie als aufstrebende Juniorin mitfahren, ohne eine Norm zu erfüllen. Das geht diesmal nicht.

Die Vorgabe im Kugelstoßen liegt bei 10,66 Meter. Exakt diese Weite war auch Vaskes bisherige, im Vorjahr aufgestellte Bestmarke. Die galt es in dieser Saison nun also zu bestätigen.

Bei einem ersten Qualifikations-Wettkampf in Leverkusen blieb Vaske, der seit der Geburt der rechte Unterarm fehlt, bei 10,40 Meter hängen, danach in Barcelona bereits bei 10,22 Meter. „Da wollte ich zu viel, war verkopft“, erklärt sie. Eine Zitterpartie samt steigendem Druck wie bei ihrer Last-Minute-Nominierung für die Paralympics vor einem Jahr wollte sie sich unbedingt ersparen.

Am vergangenen Wochenende machte sich die 20-Jährige, die in Köln Lehramt studiert, mit einigen Teamkollegen von Bayer Leverkusen auf den Weg zu den Werfertagen in Halle an der Saale. Nach der Enttäuschung in Barcelona „wollte ich frei von der WM-Norm sein, einfach meinen Wettkampf machen und Spaß haben“. Die lockere Atmosphäre vor Ort mit vielen Zuschauern und im Hintergrund wummernder Musik kam ihr dabei entgegen.

Nach einem verkorksten ersten Versuch (9,85 Meter) haute sie im nächsten bereits 10,56 Meter raus. Trotzdem zu wenig. Als der Wurf-Bundestrainer daraufhin zu ihr meinte: „Zehn Zentimeter fehlen. Komm, das machen wir heute klar“, schoss ihr daraufhin durch den Kopf: „Kein Druck, kein Druck.“ Vaske wollte bei ihrer Spaß-Taktik bleiben, diese verdammte Norm ausblenden.

Nach einer weiteren kleinen Steigerung auf 10,58 Meter kam ihr vierter und damit drittletzter Stoß. „Der war gefühlt richtig schlecht. Die Kugel lag nicht richtig in der Hand und rutschte über die Finger weg.“ Direkt ging ihr enttäuschter Blick Richtung Bundestrainer. Doch der nickte und hob den Daumen. Als dann die Weite durchgegeben wurde, „konnte ich es erst gar nicht glauben“. 10,82 Meter! „Ich habe einen Freudensprung gemacht. Eine riesengroße Erleichterung, die Norm relativ früh in der Tasche zu haben.“ Nach Halle wären ihr noch zwei, maximal drei Wettkämpfe geblieben, die 10,66-Meter-Vorgabe zu erfüllen.

Ab sofort kann sich Vaske aufs Training und die WM-Vorbereitung konzentrieren. Zudem feilt sie neben ihrer Paradedisziplin Kugelstoßen weiter am 100- und 200-Meter-Sprint. Und auch am Weitsprung. Den hat sie nach einem Jahr Pause wiederentdeckt. „Ich stand mit dem Weitsprung auf Kriegsfuß. Im Winter hat mich mein Heimtrainer gebeten, es mal wieder zu versuchen. Es hat direkt gut geklappt.“ Im Vergleich zu früher habe sie jetzt ein besseres Gespür „für die technischen Bausteine in der Grube“. Die WM-Normen im Sprint und Weitsprung seien für sie in diesem Jahr aber kaum erfüllbar.

Doch im Kugelstoßen wird Vaske in Indien sehr sicher dabei sein (offizielle Nominierung am 6. Juli). Bei den internationalen Großereignissen 2023 und 2024 in Paris hatte sie in ihren verschiedenen Disziplinen vor allem viel Erfahrung gesammelt. Mal sehen, was diesmal passiert…