Steffen Schönhut von der LG Emsdetten schildert seinen Ultra-Trail-Lauf auf Mallorca

Quellennachweis: Sportredakteur Christoph Niemeyer, Emsdettener Volkszeitung, Ausgabe 05.11.2025

Dass Steffen Schönhut von der LG Emsdetten ordentlich Ausdauer hat, ist bei so einem Dauer-Läufer, wie er nun mal einer ist, nicht überraschend. Doch jetzt nahm er eine selbst für ihn nicht alltägliche Herausforderung in Angriff: einen Ultra-Trail-Lauf auf Mallorca – über 105 Kilometer! In der EV schildert Schönhut, wie er den Lauf durch das Tramuntana-Gebirge auf der liebsten Ferien-Insel der Deutschen erlebte:

„Start morgens um 6 Uhr an der Küste in Estellencs im Dunkeln, aber bei angenehmen 17 Grad: Das ist schon ein emotionaler Moment, wenn über 600 Menschen fast gleichzeitig ihre Stirnlampen anschalten, den Countdown runterzählen und dann loslaufen. Viele beginnen das Rennen relativ schnell, schätzen sich selbst völlig falsch ein. Vielleicht liegt es am Adrenalin-Schub? Auch ich habe es nur mit Mühe geschafft, die Geschwindigkeit zu drosseln, war aber nach drei, vier Kilometern gut im Rhythmus und in meinem Herzfrequenzbereich.

Nach 45 Minuten: Sonnenaufgang im Tramuntana-Gebirge – einfach traumhaft. Die Strecke war zu diesem Zeitpunkt ein guter Singletrail, über Esporles ging es weiter nach Valdemossa. Es macht Spaß, fühlt sich gut an, Lauf-Genuss pur! Nach dem ersten Downhill von Valdemossa nach Bunyola treten bei Kilometer 39 erste Ermüdungserscheinungen bei mir auf, immerhin habe ich jetzt auch schon fast einen Marathon in den Beinen. Aber ein Espresso und ein Stück Ensaimada (traditionelles Schmalzgebäck/Red.) päppeln mich wieder auf. Inzwischen ist auch die Sonne ordentlich da: Es wird warm. Dann folgt der zweite Anstieg, von Bunyola geht es hoch zum Dorf ,Orient‘ und danach über Alaro wieder abwärts, gut 1000 Höhenmeter.

In Alaro sieht man die Folgen des schnellen Starts einiger Mitstreiter: sitzend, liegend, oder den Kopf unter einem Wasserhahn – viele sind hier schon am Limit, für einige Aktive ist gar schon Schluss. Auch ich merke die Belastung jetzt deutlich, lege eine Fünf-Minuten-Pause ein: hinsetzen, eine Suppe löffeln und eine Cola trinken, um Energie zu tanken. Meinen Plan, Schuhe und Klamotten zu wechseln, verwerfe ich. Durch die Sonne ist meine Laufkleidung getrocknet, und wenn ich in den Schuhen nach 62 km noch keine Blasen an den Füßen habe, wird sich auf dem verbleibenden Marathon daran nichts ändern. (Hoffentlich).

Nach der Pause folgt der längste Anstieg der Strecke, es geht hoch zum Stausee (Cuber) direkt unterhalb des höchsten Bergs von Mallorca, des Puig Major. Ich habe wieder Energie und überhole regelmäßig Mitstreiter.

Der Blick bei Kilometer 72 auf den Puig Major und die Berge bei langsam untergehender Sonne ist – trotz der Ermüdung – großartig! So langsam wird mir klar, dass es heute richtig gut läuft und ich das Ziel in einer Zeit unter 14 Stunden erreichen kann. Der folgende Abstieg nötigt mir aber alles an Kraft ab, was in den Beinen noch übrig ist. Gut 1000 Höhenmeter geht es über ca. vier bis fünf Kilometer am Stück abwärts. Ich ahne schon: Diese gut 40 Minuten steil bergab werde ich wohl noch Tage später spüren…

Endlich unten am Fuß in Biniaraix. Jetzt noch ein Halbmarathon über Fornalutx sowie Soller, dann folgt der letzte Anstieg hinauf zum Leuchtturm von Port Soller.

Der letzte Gegner des Tages ist die Dunkelheit. Der Abstieg von Fornalutx nach Soller ist im Dunkeln nur mit Licht der Stirnlampe eine echte Herausforderung. Konzentration hochhalten und keine Fehler machen!

Hat geklappt – und nach dem letzten kleinen Anstieg kommt er dann endlich, der ersehnte Leuchtturm. Ab da geht es drei Kilometer bergab und zum Schluss über die Promenade in Port de Soller. Das tut zwar noch mal weh, aber das Gefühl der Zufriedenheit und Dankbarkeit überstrahlt alles. Es ist schwer, in Worte zu fassen, aber im Ziel – nach 13:42,47 Stunden – kommen mir unkontrolliert die Tränen.

Ich bin dankbar dafür, dass man einfach mal so einen Tag lang laufen kann – durch die Gegend, die man seit Jahren regelmäßig schon mit dem Rennrad unsicher gemacht und lieben gelernt hat. Das ist…einfach großartig!“