Eigentlich wollte er nie LGE-Vorsitzender werden – und gibt nach 35 Jahren das Amt ab
Quellennachweis: Sportredakteur Christoph Niemeyer, Emsdettener Volkszeitung, Ausgabe 24.12.2025
- „Daumen hoch für Edmund“: Reinhard Kloppenborg weiß, was LGE-Vorsitzender Edmund Wilp in den nun fast 35 Jahren an der Spitze der Laufgemeinschaft geleistet hat.
„Nee, das war nie so geplant. Ich wollte niemals Vorsitzender werden.“ Das sagt Edmund Wilp – und muss selbst darüber schmunzeln. Denn im März 2026, wenn er das Amt, das er nie wollte, abgibt, hat er 35 (!) Jahre an der Spitze der LG Emsdetten hinter sich.
Vor 34 Jahren, 1991, hat er Johannes Telger an der Spitze der Laufgemeinschaft Emsdetten (LGE) abgelöst. Aber natürlich war „Edmund“, wie ihn in der Läuferszene alle anreden, schon bei der Gründung im Jahr 1986 dabei. Der heute 72-Jährige ist quasi der Gründer-Vater der LGE, die heute mit gut 800 Mitgliedern einer der größten Sportvereine Emsdettens ist.
Doch zurück zu Klein-Edmund. Der begann als kleiner Bengel, das war Anfang der 1960er Jahre, „mit dem Fußball bei 05“. Schließlich hatte „meine Mutter einen Friseursalon am Grevener Damm 161, fast neben dem Stadion“, erzählt er beim Treffen im heimischen Wohnzimmer an der Habichtshöhe in Detten.
Als 05-Jugendfußballer war Edmund ein flotter Kicker. „Ich habe mich aber auch immer schon für die Leichtathletik interessiert“, betont Wilp. Damals war die Sportvielfalt in Emsdetten noch ausbaufähig, Leichtathletik nicht wirklich im Angebot. Also entwickelte Jung-Edmund schon damals Eigeninitiative. Im großen Garten hinter dem Wohnhaus am Grevener Damm „habe ich mir eine Weitsprunganlage ausgehoben und mit einer Dachlatte Stabhochsprung trainiert“.
In der Zeit seiner Lehre sowie beim Bund (auf Sylt und in Bonn) blieb Wilp sportlich aktiv. Zurück in Detten begann er wieder mit dem Kicken, „bis ich 30 war. Ich war aber beim Fußball nie der Ausdauertyp“. Das änderte sich nach und nach, als Wilp die Fußballstiefel an den berüchtigten Nagel hängte. „1984 bin ich mit dem Laufen angefangen. Zunächst nur die Brookrunde (3,8 km/d.Red.), später dann bis zu 100 Kilometer pro Woche.“ Wilp wurde auf Volksläufe in der Region aufmerksam, ließ sich „ein Heft mit den Terminen schicken. Internet gab es ja damals noch nicht“. Und lief 1984 in Handorf seinen ersten Zehner. „War eine 44er-Zeit“, weiß er noch heute. Bei Volksläufen traf Wilp auch andere Emsdettener, die dem Laufsport frönten, z.B. „Dieter Veerkamp, Christoph Ortmeier oder Günther Thünemann“.
Und in Edmund Wilp kam die Frage auf: „Warum gibt es eigentlich in Detten keinen Lauf-Verein?“ In der Nachbarschaft, bei Marathon Steinfurt (Gründungsjahr 1985), „habe ich mal mittrainiert und nachgefragt, was es alles für eine Vereinsgründung braucht“ und schreckte zurück: „Satzung etc.. Nö, das will ich mir nicht antun“, so seine erste Reaktion.
Doch Wilp suchte sich Mitstreiter, fand in Anwalt Engelbert Fröhlich und dessen Mitarbeiter Ludwig Wegmann zwei ganz wichtige, von denen speziell Wegmann nicht vor dem „Verwaltungskram“ (Wilp) bange war.
Und so trafen sich am 8. Januar 1986 in der Gaststätte „Schneider“ Im Hagenkamp – heute steht dort die EV-Redaktion – „38 Laufinteressierte zwecks Gründung der LGE. Und die sind auch fast alle in den Verein gegangen“, so Wilp, eines von 32 Gründungs-Mitgliedern der neuen Laufgemeinschaft. Für ihn aber war klar: „Den 1. Vorsitzenden mach‘ ich nicht!“
Den Posten übernahm damals Johannes Telger, Wilp wirkte „im Hintergrund“. Und wie! Sodass es nach Telgers Amts-Ende keine Frage mehr war, wer der neue LGE-Chef sein sollte: Edmund Wilp. Am 1. März 1991 wurde er einstimmig gewählt. Und seit nunmehr fast 35 Jahren hat sich daran nichts geändert. „Ganz wichtig dabei ist Paul (Venker/d.Red.). Paul hat sich immer super um Zuschüsse, Steuern etc. gekümmert.“ Klare Absprache: Edmund für die Lauf-Praxis, Paul für den Verwaltungskram.
- Er läuft und läuft und läuft: Edmund Wilp, eines der Gründungsmitglieder der Laufgemeinschaft Emsdetten präsentiert hier einige seiner Lauf-Erinnerungen.
Das funktionierte. Und die LGE wuchs: Tri-Team (1992), Leichtathletik-Gruppe (1994), seit vielen Jahren gibt es auch die Krabbelgruppen, die Lauf-Anfängerkurse. „Es macht mir einfach Spaß, Menschen zum Laufen zu bringen“, erklärt Edmund Wilp, was ihn zeit seines Läufer-Lebens antreibt. Denn: „Bewegung ist total wichtig!“
Wohl wahr. Aber demnächst, im März 2026, wenn er dann nicht mehr Vorsitzender ist und Henrik Austrup, so ist es geplant, ihm nachfolgt, will er sich dann nicht mehr bewegen? Nur noch auf der Couch hocken und in der EV die LGE-Ergebnisse nachlesen?
- Das Foto aus dem Jahr 1987 zeigt einige der ersten LGE-Läufer: Guido Bünker, Christian Stelzer, Alfred Verlage, Manfred Körholz, Ludger Lohaus, Edmund Wilp, Udo Menzel, Günter Ortmeier, Guido Kamp, Albert Krusel und Günther Thünemann.
„Das Intervall-Training am Dienstagabend mache ich ja weiter, wie auch die Freitags-Fitness-Einheit. Und die Orga für die Krabbelgruppe. Auch die Zusammenarbeit mit dem Stadtsportverband würde ich gerne weitermachen, wenn man mich lässt“, sagt der unruhige Lauf-Ruheständler. Nur den Vorsitz, den gibt er dann ab. Nach 35 Jahren. „Wollte ja sowieso nie Vorsitzender werden…“
- Paul Venker kümmert sich seit 1990 um die Vereins-Kasse der LG Emsdetten., hat über 20 Jahre lang den „Salvus Teekottenlauf“ organisiert und bringt sich weiter dabei ein. „Paul“ ist seit vielen Jahren ein engagierter Ansprechpartner für alle Dinge in seiner LGE, ein echter „Hans Dampf in allen LGE-Gassen“.



